Newsletter
Hier können Sie den MiD Newsletter bestellen.
Ein plötzliches Aufblitzen. Ein schnelles Blinzeln. Was war das? Ein Leser-Reporter der BILD oder einer der vielen Münchner Radarfallen? Falls Sie nicht zu den rund 783 Prominenten in München gehören, wird’s wohl eher Zweiteres gewesen sein. Da hilft dann kein Ducken, kein hektisches Abbremsen – dann muss man zahlen. Ob man sich schuldig fühlt oder nicht.
Trotzdem hat Mobil in München jetzt wieder nachgefragt: Sind die Blitzkästen in München gerechtfertigt? Werden sie wirklich dort installiert, wo viele Unfälle passieren, wo Schulbusse halten, wo Kindergärten in der Nähe sind, wo Familien wohnen? Oder wollen Polizei und Stadt München damit auf Kosten der Autofahrer vorwiegend ihre Kassen füllen? Blitzen Sie auf breiten, gut ausgebauten mindestens zweispurigen Straßen, die geradezu verführen ein bisserl mehr Gas zu geben?
Der vierte Blitzatlas von Mobil in München listet die häufigsten Radarfallen in der Stadt München auf – und bewertet sie nach ihrer Berechtigung. Das Ergebnis: Eine brandheiße Diskussionsgrundlage, wenn es wieder mal darum geht: Ist die Blitzpraxis von Polizei und Stadt in München voll okay oder total daneben?
Wie ist der Blitzatlas entstanden?
Der Verein Mobil in München e.V. hat drei Monate im Frühjahr 2007 neun Wochen lang alle Blitzmeldungen der Münchner Radiosender – von Charivari, Energy, 2day und Arabella – aufgelistet und ausgewertet. Über 3000 Hörer-Meldungen an die Sender konnten dabei notiert werden. Die statistische Auswertung lässt eine Dunkelziffer von gut 10 Prozent der Blitzer erwarten, die von keinem Sender gemeldet wird. Berücksichtigt man nun noch Doppelmeldungen kommt man zu dem Ergebnis: In München wird
pro Tag 33 mal,
pro Woche 228 mal,
pro Monat 990 mal und
11880 Mal pro Jahr geblitzt.
Zu den Radiosendern: Leichte Vorteile in Anzahl und Qualität der Blitzer hatten Charivari (gut 50 Prozent) und Radio 2day (gut 50 Prozent), gefolgt von Radio Arabella (40 Prozent) und Radio Energy (30 Prozent). Die Wahrscheinlichkeit, dass der Blitzer beim Sender nicht gemeldet wird, macht die restlichen Prozent zu 100% aus. Diesen Rest multipliziert (0,5 x 0,5 x 0,6 x 0,7), ergibt eine Dunkelziffer von 10%. Insgesamt, soviel kann man sagen, ist das über alle Sender konsolidierte Datenmaterial aber sehr zuverlässig und aussagekräftig, auch wenn das die Polizei nicht wahrhaben will. Übrigens: Seit die Münchner Radiosender ihre Hörer nachhaltig auffordern, Blitzer zu melden, hat sich schon fast ein Rennen entwickelt – zwischen der Eilmeldung der Sender und der Verlegung des Blitzers durch die Polizei.
Den Hörer-Meldungen der Radiosender haben wir die Unfallstatistik der TOP 10 Unfallstrassen der Polizei München aus dem Jahr 2005 entgegengesetzt (die Zahlen von 2006 existierten noch nicht). Hieraus haben wir eine Schnittmenge gebildet, die idealerweise eine komplette Überschneidung ergeben müsste.
Nun die Ergebnisse
Der diesjährige Blitzatlas ist voller Überraschungen: Die erste: In München wird mehr geblitzt als je zuvor! Während die vorherigen MiM-Blitzatlanten einen monatlichen Durchschnittswert von rund 650 Blitzern pro Monat ermittelten, liegt dieser bei der aktuellen Auswertung bei rund 990!
Und auch die Top-Blitzmeile ist eine andere! In den Vorjahren hatten die Mobil in München-Blitzchecker die Ingolstädter und die Landsberger Straße als die am häufigsten beblitzten Ecken in München ausgemacht. Dieses Mal ist es mit großem Abstand die Landshuter Allee! Hochgerechnet wird hier 360 mal im Jahr geblitzt. Beim Blitzatlas 2004 waren es lediglich 170 mal. Gefolgt wird diese von der Menzinger Straße mit 260 Blitzern (Wert 2004: 130), der A8 Obermenzing mit 240 (Wert 2004: 100), der Ingolstädter Straße mit 240 (Wert 2004: 200), der Wasserburger Landstraße mit 185 (Wert 2004: 100) und dem Frankfurter Ring mit 175 (Wert 2004: 0) Blitzern. Jeweils 150 mal pro Jahr wird in der Allacher (Wert 2004: 60), der Grünwalder (Wert 2004: 60) und der Ungererstraße (Wert 2004: 90) geblitzt. Das Schlusslicht in der Blitz-Top-Ten: Die Ständlerstraße mit 140 Blitzern (Wert 2004: 100).
All diese Straßen haben gemein: Sie verleiten zu schnellem Fahren, denn entweder sind sie zweispurig oder noch breiter, oder sie waren früher auf Tempo 60 beschränkt und wurden jetzt auf Tempo 50 reduziert.
Aufsummiert ist die Blitzhäufigkeit bei den TOP 10 Blitzstrassen ein wirklicher Skandal. Während hier bei den 10 genannten Strassen von der Landshuter Allee bis zur Ständlerstrasse im Jahr 2004 rund 1000mal im Jahr geblitzt wurde, liegen wir im Jahr 2007 bei über 2000mal. Das heißt, es fand eine Verdoppelung der Blitzaktivitäten auf diesen breiten und immer zweispurigen Ausfallstrassen statt.
Demgegenüber steht eine massive Abnahme der Unfälle auf den TOP 10 Unfallstrassen. Seit der letzten Erhebung 2004 gab es dort 5% weniger Unfälle und sogar 10% weniger Verletzte. Tote gab es 2005 dort gar keine mehr zu verzeichnen. Wir haben also eine eindeutig sinkende Unfallzahl auf den TOP 10 Unfallstrassen. Ein erfreuliches Ergebnis.
Unsere Kernaussage
Dort, wo besonders viel geblitzt wird, passiert annähernd nichts und dort, wo am meisten oder immer noch viel passiert, wird kaum geblitzt. Das belegt eindeutig eine Gegenüberstellung zwischen den TOP 10 Blitzstraßen 2007 und den TOP 10 Unfallstraßen aus 2005. Die einzige Ausnahme: Die Landshuter Allee als Spitzenreiter der Blitzstatistik belegt immerhin in den TOP 10 der Münchner Unfallstraßen Platz 5. Allerdings passieren die meisten Unfälle auf dem Abschnitt des Mittleren Rings d.h. südlich des Georg-Brauchle-Rings. Geblitzt wird aber fast ausschließlich nördlich des Georg-Brauchle-Rings. TOP Unfallstraßen wie die Landsberger-, Leopold-, Dachauer und Schleißheimer Straße dagegen tauchen in unseren TOP 10 des Blitzatlas nicht auf, genauso wenig wie die Fürstenrieder-, Arnulf-, Lindwurm-, Rosenheimer und Lerchenauer Straße.

Warum das Blitzen auf der Landshuter Allee keinen Sinn macht
Auf der Landshuter Allee nördlich der Abzweigung des Mittleren Rings (wo sehr viel geblitzt wird, aber annähernd nichts passiert) sollte unserer Meinung nach längst Tempo 80 gelten! Jemand, der auf diesem Autobahn-ähnlichen Stück ohne Randbebauung, ohne Gehwege und Fußgänger, ohne Radfahrer und ohne große Verkehrsbelastung 80 fährt, ist subjektiv kein Raser! Mit dem Aufstellen der Tempo 60–Schilder dagegen funktioniert die Radarmessung für Stadt und Polizei als perfekte Abzocke der Bürger. Und aufgrund der »hohen Beanstandungsquote«, das kennen wir aus der Argumentation von 2004, sieht sich die Polizei dann »gezwungen«, am nächsten Tag wieder zu messen. So wird laut Auswertung praktisch jeden Tag (!!!) dort geblitzt - 360 Mal im Jahr. An manchen Tagen sogar mehrfach, mal morgens, mal abends, oder mal stadtauswärts und mal stadteinwärts.

Unser Fazit
Beim Blitzen in Münchens Straßen geht es vorwiegend um das Geld der Autofahrer und leider weniger um die Sicherheit der Bürger. Der Münchner wird hier mehr und mehr ausgepresst, bis nichts mehr zu holen ist. Das ist ein Armutszeugnis und eine Bankrotterklärung für die Polizei. Mobil in München hat der Polizei schon viele Vorschläge gemacht, wie man Radarkontrollen in der Praxis handhaben sollte. Ein Vorschlag für die Polizei etwa war: Orientieren Sie die Radarmessungen an der Unfallursachenerhebung, speziell an der Unfallursache „überhöhte Geschwindigkeit“. Bisher ist die Polizei leider komplett kritikresistent und verschärft ihre Blitzpraxis sogar.
Unsere Empfehlung:
Wenn Sie ein Vielfahrer sind, kommen Sie heute fast nicht mehr um Strafzettel herum. Mit viel Glück (das man oft nicht hat) bekommt man dann nur einen Bußgeldbescheid, den man nur bezahlen muss. Meist geht das aber oft auch mit Punkten oder Fahrverboten einher. In Deutschland gibt es rund 50 Mio. Führerscheine, davon gibt es geschätzte 40 Mio. aktive Autofahrer. Mittlerweile sind aber schon annähernd 10 Mio. Bundesbürger in Flensburg registriert - Tendenz stark steigend. Daher lautet unsere Empfehlung: Schließen Sie als häufiger Autofahrer immer eine (meist noch recht günstige) KFZ Rechtsschutzversicherung ab und wehren Sie sich bei Bußgeldbescheiden. Das ist zwar eigentlich bedauerlich, aber unumgänglich, wenn Sie wirklich Recht bekommen wollen.

Das fordern wir!
Mobil in Münchner e.V. hält an seiner Forderung fest: Blitzen da, wo es eindeutig um die Sicherheit geht. Etwa auf Straßen, wo nachweislich viel passiert oder da, wo gefährdete Personengruppen leben, wie vor Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Altenheimen. Das gibt diesen Leuten Sicherheit und der Bevölkerung das Vertrauen zurück, das die Verkehrspolizei längst verspielt hat.
Die Stadt muss situationsgerechte Geschwindigkeiten einführen (z.B. Tempo 80 auf der nördlichen Landshuter Allee und die Wiedereinführung von Tempo 60 bei Ausfallstraßen wie der Grünwalder oder Wasserburger Landstraße)
Und noch eine kleine Bitte an die Autofahrer dieser Stadt: Petzen Sie jeden Radarkasten den Münchner Radiosendern, damit alle rechtzeitig abbremsen und sich die staatlichen und städtischen Kassen andere Geldgeber suchen müssen. Die Radios machen einen wirklich guten Job!
|
Straßenzug |
Anzahl Blitzer |
Anzahl Blitzer p.a. 2004 |
|
Landshuter Allee |
360 | 170 |
|
Menzinger Str |
260 | 130 |
|
A8 Obermenzing |
240 | 100 |
|
Ingolstädter Str. |
240 | 200 |
|
Wasserburger Landstr. |
185 | 100 |
|
Frankfurter Ring |
175 | 15 |
|
Allacher Str. |
150 | 60 |
|
Grünwalder Str. |
150 | 60 |
|
Ungererstr. |
150 | 90 |
|
Ständlerstr. |
140 | 100 |
| 2050 | 1025 |
Lesen Sie zu diesem Thema die Reaktionen der Presse.
| Artikel | Datum | Quelle |
|---|---|---|
| Münchens einziger Blitzatlas | 14.08.2007 |
|
| Münchens einziger Blitzatlas | 2.06.2007 |
|
| Es wird geblitzt wie noch nie | 19.05.2007 |
|
| Das ist Münchens einziger Blitzatlas! | 19.05.2007 |
|
| "Das ist eher Abzocke!" | 19.05.2007 |
|
| Die Blitzer-Fallen in den Münchner Straßen | 19.05.2007 |
|
Februar 2010
Was versteht man unter MPU?Januar 2010
Große Verkehrsumfrage 2010 Deutschland versinkt im UmweltzonenchaosDezember 2009
Machbarkeitsstudie zum Autobahnring A99 Süd erreicht dritte Stufe Wohin die Reise geht OLG bekräftigt Verwertungsverbot bei Videoaufzeichnung von VerkehrssündernNovember 2009
Münchens großer Navitest 2009Mitglieds-Login benötigt!
Für die gewünschte Funktion müssen Sie sich als Mitglied auf unserer Seite einloggen. Bitte wählen Sie eine der folgenden Optionen, um Zugang zu erhalten: